(©Alina Hauke) Allein in der Steiermark gibt es aktuell 60 wissenschaftliche Projekte, die Interessierte dazu einladen, sich aktiv daran zu beteiligen.
Wissenschaft zum Mitmachen
Ob mit dem Smartphone, dem Testkit oder dem Notizblock, unterwegs oder im eigenen Garten: Die Plattform „Österreich forscht“ lädt alle ein, aktiv an wissenschaftlichen Projekten mitzuwirken. Denn für neue Erkenntnisse braucht es oft nur Neugier und die Bereitschaft mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
Die Idee dahinter nennt sich „Citizen Science“. Sie bricht mit dem verstaubten Bild der Forschenden im Elfenbeinturm und holt die Wissenschaft mitten ins Leben. „Bei Citizen Science geht es um die aktive Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit Bürgerinnen und Bürgern in wissenschaftlichen Forschungsprojekten“, erklären Daniel Dörler und Florian Heigl. Die beiden haben als junge Doktoranden an der BOKU University das enorme Potential der Bürgerbeteiligung erkannt und 2014 die Plattform „Österreich forscht“ gegründet. Heute arbeiten sie hauptberuflich an der Weiterentwicklung der Plattform, vernetzen Projektleitende und engagierte Laien im gesamten deutschsprachigen Raum und sind zentrale Anlaufstelle der wachsenden Bewegung in unserem Land.
Gestartet wurde ursprünglich mit nur neun Projekten, heute finden sich rund 100 Forschungsvorhaben aus allen Bundesländern auf www.citizen-science.at. Allein für die Steiermark sind aktuell 60 Projekte gelistet. Über 175.000 Menschen haben österreichweit bereits mitgemacht.
Ihr Wissen ist gefragt
„Um daran teilzunehmen sind absolut keine Vorkenntnisse erforderlich. Alle sind herzlich willkommen, sich einzubringen“, betont Dörler. Der große Vorteil von Citizen Science ist ihre Greifbarkeit. Es geht um Themen, die uns alle betreffen: die Natur vor der Haustür, die Geschichte unseres Ortes, die Sprache, die wir täglich verwenden.
Ein besonders bekanntes Citizen Science Projekt ist etwa die österreichweite Wintervogelzählung von BirdLife, die jedes Jahr rund um den 6. Jänner durchgeführt wird. Beim Projekt „Roadkill“ wiederum können Bürgerinnen und Bürger mithelfen, Unfallschwerpunkte für Tiere auf Straßen zu identifizieren. Wie ein Teesackerl dabei helfen kann, den Klimawandel zu verstehen, erleben Mitwirkende beim Projekt „Teebag Index“. Sauerteigbäckerinnen und Fermentationsbegeisterte unterstützen mit ihren selbsthergestellten Lebensmitteln bei „HealthFerm“ dabei, den an den Prozessen beteiligten Mikroorganismen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit auf die Spur zu kommen.
Ein Gewinn für beide Seiten
Der direkte Nutzen für die Teilnehmenden liegt auf der Hand: Man bekommt Einblick in aktuelle Forschung, leistet einen echten Beitrag und bringt zugleich auch lokales Wissen, Beobachtungsgabe oder eigene Fragen mit ein. Nicht selten entstehen daraus sogar neue Forschungsansätze.
„Es ist ein Austausch in beide Richtungen“, betont Dörler. „Während Laien der Wissenschaft mit ihren Daten zu völlig neuen Erkenntnissen verhelfen, oft in einem Ausmaß, das für kleine Forschungsteams allein unmöglich wäre, erhalten sie im Gegenzug spannende Einblicke in wissenschaftliche Methoden.“
Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst unter die Forscher zu gehen, findet auf der Plattform eine Fülle an Möglichkeiten. Am 26. Februar, dem dritten Tag der jährlichen Citizen-Science-Konferenz, die heuer an der Montanuniversität Leoben stattfindet, bietet sich die perfekte Gelegenheit Projektleitende kennenzulernen und direkt ins Gespräch zu kommen.
Schließlich steckt in uns allen ein Forschergeist und selten war es so einfach, ihn auszuleben.